Aktuelles

Aufgrund der Herbstferien entfallen die Kurse "Lungensport" und "Rehasport Orthopädie" am 24.10. und 31.10. in der Turnhalle Alswede.

Qualifizierter Rehasport in

Hüllhorst & Lübbecke

 

Spaß in der Gruppe

 

Keine Mitgliedschafts

pflicht

 

Keine Aufnahmegebühr

 



Rehaport bei Diabetes

 

Mit Bewegung der Diabetesepidemie begegnen

 

bringen unsere Kursteilnemer/innen mit Sport Zucker in die Zellen ...

 

Zur Zeit findet kein Kurs statt.

 

Die Dimension des Problems

Die Bedeutung körperlicher Aktivität für die Gesundheit ist schon in der Antike bekannt gewesen. „Alle Teile des Körpers, die zu einer Funktion bestimmt sind, bleiben gesund, wachsen und haben ein gutes Alter, wenn sie mit Maß gebraucht werden und in den Arbeiten, an die jeder Teil gewöhnt ist, geübt werden. Wenn man sie aber nicht braucht, neigen sie eher zu Krankheiten, nehmen nicht zu und altern vorzeitig“ (Hippokrates; um 460 bis 370 v. Chr.)

 

Selbst Hippokrates dürfte aber kaum erahnt haben, dass etwa 2400 Jahre später sich der Bewegungsmangel mit seinen gesundheitlichen Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder auch Krebserkrankungen zu einer Geißel der Menschheit des Computerzeitalters entwickelt hat.

 

Diabetes mellitus“ übersetzt heißt „honigsüßer Durchfluss“. Schon die Ärzte im Altertum kannten die Stoffwechselerkrankung bei der der Urin süß wie Honig schmeckt (1).

 

Heute sind in Deutschland mehr als 7 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Etwa weitere 3 Millionen wissen nicht, dass bei ihnen die Erkrankung bereits vorliegt. Bei 95 % der Betroffenen liegt ein Diabetes Typ 2 vor, der abgesehen von wenigen Ausnahmen durch mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung hervorgerufen wird. Seltener, in etwa 5 % der Fälle, liegt ein Diabetes Typ 1 vor, der in der Regel bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt. Während der Typ-1- Diabetiker sofort eine Insulintherapie benötigt, steht für Typ-2-Diabetiker eine effektive Lebensstilintervention mit vor allem Steigerung der körperlichen Aktivität im Vordergrund aller therapeutischen Bemühungen. Die rasche, epidemieartige Ausbreitung der Volkskrankheit Diabetes stellt unser Gesundheitssystem medizinisch und ökonomisch vor einer riesigen Herausforderung. Handlungsbedarf ergibt sich auf unterschiedlichen Ebenen.

 

Hoher Preis für den Wohlstand

Ein unzureichend behandelter Diabetes führt nicht selten zu diabetischen Folgeerkrankungen. Diabetische Folgeerkrankungen treten an unterschiedlichen Organen auf. Grob unterschieden werden Folgeerkrankungen, die mit Veränderungen an den kleinen Gefäßen (mikroangiopathisch) einhergehen von solchen, die auf Schäden an den großen Gefäßen (makroangiopathisch) zurückzuführen sind. Vornehmlich bei der Entwicklung der makrovaskulären Komplikationen spielen neben dem Nikotinkonsum weitere Erkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung, die man bei Typ-2-Diabetikern häufig vorfindet, eine entscheidende Rolle.

 

Der Preis, den wir in erster Linie als Ergebnis eines inaktiven Lebensstils zahlen, ist hoch: Einer Untersuchung von Liebl zur Folge treten in Deutschland jährlich 27000 Herzinfarkte, 44000 Schlaganfälle, 27900 Amputationen, 8300 Dialysebehandlungen und 6000 Erblindungen als Folge einer Diabeteserkrankung auf (2).

 

Bewegung lautet die richtige Antwort – aber wie?

Typ-1-Diabetiker benötigen mit Diagnosesicherung eine Insulintherapie. Grundlage der Therapie des Typ-2-Diabetes hingegen ist eine aktive Lebensstilintervention. Medikamente und insbesondere Insulin sind hier zunächst Therapeutika der zweiten Wahl. Die Zielsetzungen bei der Ausübung körperlicher Aktivität sind bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern unterschiedlich. Für den Typ-2-Diabetiker ist die körperliche Aktivität das wichtigste Instrument in der Therapie des Diabetes.

 

  

Nutzen körperlicher Aktivität ist wissenschaftlich belegt

Wissenschaftlich belegt ist, dass eine gute körperliche Leistungsfähigkeit unser Leben verlängert – und zwar unabhängig von einer mitunter vorliegenden Grunderkrankung (3).

Gesichert und unbestritten ist der Nutzen körperlicher Aktivität für Menschen mit Diabetes (4, 5, 6). Schon ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten führt zu einer signifikanten Verbesserung der Stoffwechsellage (gemessen am HbA1c-Wert) sowie weiterer kardiovaskulärer Risikofaktoren (7). Sowohl Ausdauer- wie auch Krafttraining allein verbessern die glykaemische Kontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. Bei kombiniertem Training ist der Benefit allerdings am größten (8). Unter Beachtung individueller Risikokonstellationen und Trainingsempfehlungen ist ein Kraft-Ausdauertraining für Diabetiker als sicher einzustufen (9, 10).

 

Wie sieht ein gesundheitsorientiertes Training aus?

Voraussetzung für ein erfolgreiches Training ist zweifelsfrei Freude und Spaß an der jeweiligen Bewegungsform. Gesundheitsorientierte Programme sprechen idealerweise die sensomotorischen Hauptbeanspruchungsformen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination an.

 

Gesundheitsorientiertes Training - Rehabilitationssport ist vielfältig!

Motivation, Integration in die Gruppe, Selbsthilfe, Training und Körperwahrnehmung sind zentrale Elemente im Rehabilitationssport – das richtige Zusammenspiel letztlich macht den Erfolg. Rehabilitationssport kann ganz unterschiedlich aussehen: Gymnastik, Bewegungsspiele etc. Hausarzt oder Diabetologe können Rehabilitationsport (in der Regel 50 Trainingseinheiten bei der Erstverordnung) verordnen.

 

Krafttraining nicht vergessen

Die Bedeutung eines moderaten Krafttrainings in der Diabetestherapie rückt immer mehr in den Fokus. Für die Erarbeitung eines optimalen, gesundheitsorientierten Trainingsprogramms benötigt der Übungsleiter/ Trainer medizinische Vorinformationen. Dies setzt beim Übungsleiter/ Trainer neben sporttherapeutischen auch medizinische Qualifikationen voraus.

 

Was gilt es zu beachten?

Eine begleitende medikamentöse Diabetestherapie kann in Abhängigkeit von den ausgewählten Medikamenten mit einem Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykaemien) im Rahmen der körperlichen Aktivität einhergehen. Diesbezüglich sollte jeder Diabetiker über sein individuelles Risiko informiert sein, gleichzeitig über Maßnahmen der Vorbeugung und gegebenenfalls auch der Therapie geschult sein.

 

Bestehende diabetesbedingte Begleit- und Folgeerkrankungen müssen bei der Erstellung von Sport- und Bewegungsprogrammen unbedingt berücksichtigt werden.

Prinzipiell ist eine gezielte (sport-)medizinische Untersuchung vor (Wieder-) Aufnahme körperlicher Aktivität immer sinnvoll; dies gilt sicherlich für Menschen ohne Diabetes genauso wie für Menschen mit Diabetes.

 

Unbedingt nötig ist eine gezielte fachärztliche Untersuchung, wenn:

die Diabetesdauer über 10 Jahren oder das Lebensalter über 35 Jahren liegt;

eine diabetesbedingte Folgeerkrankung bereits vorliegt;

ein Diabetes mellitus Typ 2 vorliegt.

 

Die besondere Situation des Typ-1-Diabetikers

Grundsätzlich ist das Risiko für Hypo- und Hyperglykämien für Typ-1-Diabetiker im Rahmen von sportlichen Betätigungen höher. Der allgemeine Nutzen körperlicher Aktivität überwiegt aber zweifelsfrei das potentielle Risiko von Stoffwechselentgleisungen. Voraussetzung für eine gefahrlose Sportausübung ist allerdings eine individuelle Schulung, die diabetesspezifische Aspekte der jeweiligen ausgeübten Sportart ausreichend berücksichtigt (11).

  

Zusammenfassung

Die Diabetes-Epidemie schreitet voran. Der Stellenwert der körperlichen Aktivität in Prävention und Therapie des (Typ-2-)Diabetes ist wissenschaftlich gut belegt. Patienten mit (Typ-2-)Diabetes sind leider häufig schwer zu (mehr) körperlicher Aktivität zu motivieren.

Umso wichtiger ist es, dass bestehende Bewegungsangebote für Diabetiker weiterentwickelt und neue geschaffen werden. Hierzu bedarf es Anstrengungen unterschiedlicher Versorgungsebenen und vor allem Strukturen im Gesundheitssystem, die eine Realisierung auch ermöglichen.

 

Literatur

1) Borchert P, Klare R, Zimmer P: Der Übungsleiter Diabetes und Sport, Kirchheim-Verlag, Mainz, 2006

2) Liebl et al., Exp Clin Endocrinol Diabetes 2002; 110: 10-16

3) Myers et al: Exercise capacity and mortality among men referred for exercise testing. N Engl.J Med (2002) 46:793-801

4) Kemmer FW: Diabetes, Sport und Bewegung. Diabetologie 1 Suppl 2: S243-S246, 2006

5) Sigal et al: Physical Activity / Exercise and Type 2 Diabetes. Diabetes Care 29: 1433-1438, 2006

6) Saam, Kann et Ivan: Medizinische Trainingstherapie bei Diabetes mellitus. Diabetologie 1: 26-45, 2006

7) DiLoreto et al: Make Your Diabetic Patients WalkDiabetes care (2005) 28: 1295-1302

8) Sigal et al: Effects of Aerobic Training, Resistance Training, or Both on Glycemic Control in Type 2 Diabetes.

Ann Intern Med. (2007) 147: 357-369

9) Sigal et al: Physical Activity / Exercise and T2DM. Diabetes care (2004) 27: 2518-2539

10) Sigal et al: Physical Activity / Exercise and T2DM. Diabetes care (2006) 29: 1433-1438

11) Zimmer: Bedeutung von körperlicher Aktivität beim Typ-1-Diabetes. Diabetologe (2011) 7: 27-30


Quelle:

Dr. med. Meinolf Behrens

Diabeteszentrum Minden-Porta

Bismarckstraße 43

32427 Minden

E-Mail: mb@diabetes-minden.de

Fax: 0571-4045614

 

 

Dr. Meinolf Behrens ist seit 2002 als niedergelassener Arzt mit internistisch-diabetologischem und sportmedizinischem Schwerpunkt im Diabeteszentrum Minden-Porta tätig. Vor seiner Selbstständigkeit ist er als Oberarzt am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen tätig gewesen.Er ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetesgesellschaft und leitet das Projekt „Zertifizierung von Gesundheitsstudios für Menschen mit Diabetes“ und “Betreuender Arzt” unserer Rehabilitationsport-Gruppen “Sport bei Diabetes”.

 

Zur Übersicht der Kurspläne bitte hier klicken. 


 

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